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Öffentliche Diskriminierung durch den "Judenstern"

Flammender Protest des Erzbischofs von Toulouse aus dem Jahr 1942: "In unserer Diözese haben sich in den Lagern von Noé und Récébédou Schreckensszenen abgespielt. Juden sind Menschen, Jüdinnen sind Frauen. Die Ausländer und ihre Frauen sind Menschen. Nicht alles ist gegen sie erlaubt, gegen diese Männer und Frauen, gegen diese Familienväter und -mütter. Sie gehören zum Menschengeschlecht. Sie sind unsere Brüder wie so viele andere. Ein Christ kann es nicht vergessen." (Henri Cadler, Le calvaire d'Israël et la solidarité chrétienne, Genève 1945, p. 48)

Themen

In der gegenwärtigen Debatte (siehe Literaturliste und Weblinks) um die Rolle der Bekennenden Kirche in Schleswig-Holstein werden immer wieder vier Themen kontrovers diskutiert:

  • Die Frage, welche Bedeutung das Alte Testament für den christlichen Glauben hat.
  • Die Frage der Zugehörigkeit von Christen jüdischer Herkunft zur Landeskirche und der Integrität ihrer Taufe.
  • Die Frage des angemessenen Umgangs mit Versäumnissen und Schuld angesichts des nationalsozialistischen Unrechts, besonders gegen die Juden, und das Problem der Vergebung von (vielleicht auch: unvergebbarer) Schuld.
  • Die Frage, ob der während der Nazi-Zeit offen zutage getretene Antijudaismus eine Spätfolge der judenkritischen Äußerungen Luthers aus seinen letzten Lebensjahren ist.

Literaturhinweise:

  • Flüchtlingsdienst des ÖRK (Hrsg.), Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Judenfrage. Ausgewählte Dokumente aus den Jahren des Kirchenkampfes 1933 bis 1943, Genf: Verlag Oikumene 1945. (Einleitung: geschichtliche Voraussetzungen)
  • Hermann Albert Hesse, Die Judenfrage in der Verkündigung heute, Stuttgart 1948.
  • Gerhard Jasper, Vom Sinn der Wiedergutmachung an Israel, Gütersloh: Kirche und Mann 1954. (siehe: Luxemburger Abkommen)
  • Wilhelm Niemöller, Kirche und Israel. Ein Beitrag aus dem Jahre 1939, in: Evangelische Theologie 24 (1957) 468-478.
  • Otto L. Elias, Der evangelische Kirchenkampf und die Judenfrage, in: Informationsblatt für die Gemeinden in den niedersächsischen lutherischen Landeskirchen 10 (1961) 213-220.
  • Karl Kupisch, Die Bekennende Kirche und die Judenfrage (1961), in: ders., Durch den Zaun der Geschichte. Beobachtungen und Erkenntnisse, Berlin: Lettner 1964, S. 371-398.
  • Kurt Meier, Kirche und Judentum. Die Haltung der evangelischen Kirche zur Judenpolitik des Dritten Reiches, Halle (Saale): VEB Max Niemeyer 1968.
  • John S. Conway, Das Versagen gegenüber den Juden, in: ders., Die nationalsozialistische Kirchenpolitik 1933-1945. Ihre Ziele, Widersprüche und Fehlschläge, München: Chr. Kaiser 1969, S. 275-281.
  • Wolfgang Gerlach, Als die Zeugen schwiegen. Bekennende Kirche und die Juden (Schriften zu Kirche und Israel, Band 10), Berlin: Institut Kirche und Judentum 1987; 2., bearbeitete und ergänzte Auflage 1993 (= Diss. Hamburg 1970).
  • Hans Prolingheuer, Wir sind in die Irre gegangen. Die Schuld der Kirche unterm Hakenkreuz, nach dem Bekenntnis des "Darmstädter Wortes" von 1947, Köln: Pahl-Rugenstein 1987.
  • Manfred Gailus (Hrsg.), Kirchliche Amtshilfe. Die Kirche und die Judenverfolgung im "Dritten Reich", Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2008.
  • Manfred Gailus, Mir aber zerriss es das Herz. Der stille Widerstand der Elisabeth Schmitz, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2010, 22011.
  • Harald Richter, Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Das Konzentrationslager, Pastor Meyer und kirchliche Gedenkstättenarbeit in Ladelund, Hannover: Luth. Verlagshaus 2014.