Sie sind hier: Biogramme / Johann Bielfeldt

Literatur von und über Johann Bielfeldt im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.

Schriften von Johann Bielfeldt

Der christliche Ritter deutscher Nation. Ein Kapitel aus der Geschichte des deutschen Volkes, Berlin: Kranz 1935.

Ehre und Liebe, in: Pastoraltheologie 31 (1935) 32-47.

Soll die Kirche im Dorf bleiben? (Breklumer Heft 20), Breklum: Missionsbuchhandlung 1941.

Das Wort bleibt. Predigten und Vorträge, Itzehoe o.J. (nach dem 18. November 1956; darin:

75 Jahre Ostasienmission, Heidelberg: Ev.Verlag Comtesee 1962.

Der Kirchenkampf in Schleswig-Holstein 1933-1945 (dem Andenken an Bischof D. Wilhelm Halfmann gewidmet), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1964; darin:

Die Haltung des Schleswig-Holsteinischen Bruderrates im Kirchenkampf, in: Ernst Wolf/ Heinz Brunotte (Hg.), Zur Geschichte des Kirchenkampfes. Gesammelte Aufsätze (Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes, Band 15), Göttingen 1965, S. 173-188.

Johann C. Bielfeldt (1886-1981)

Johann Claus Bielfeldt wurde am 14. November 1886 als Sohn eines Bauern in Hohn, Kreis Rendsburg, geboren. Der Reifeprüfung am Rendsburger Gymnasium folgte ein Theologiestudium in Tübingen, Berlin und Kiel. Nach Vikariaten in Rickling und Hademarschen wurde Bielfeldt im Juli 1914 Pastor in Wilster, diente im Ersten Weltkrieg als Feldgeistlicher, ging im Oktober 1925 an die Christkirche in Rendsburg, war dort von 1934 bis 1939 nebenamtlicher Standortpfarrer, wirkte vom Dezember 1945 als Propst und Pastor in Itzehoe bis Ende 1956.

Über seine pfarramtliche Tätigkeit hinaus galt Bielfeldts Mitarbeit der Ostasienmission, "für deren Arbeit ich mich in meiner ganzen Amtszeit mitverantwortlich gefühlt habe". Während seines langen Ruhestandes in Groß Flottbek - er starb am 9. Juli 1981 - arbeitete er in der Hamburger Telefonseelsorge mit, in deren Mitarbeiterkreis Rat und Weisheit des erfahrenen Seelsorgers ein dankbares Echo fand. In seiner Ehefrau Friederike, einer Berliner Studienratstochter, hatte Bielfeldt eine treue Gefährtin im pfarramtlichen Dienst, in den unruhigen Jahren des Kirchenkampfes und im Ruhestand.

Das bäuerliche Elternhaus hat Johann Bielfeldts Charakter, sein Denken und seine Lebensart unverkennbar geprägt. Er war kein Mann vieler und schon gar nicht großer Worte. Wenn er, auch gerade in schwierigen Situationen, das Wort ergriff, dann war es überlegt, klar und von Gewicht. Selbst unter seinen zeitweiligen Gegnern war seine Aufrichtigkeit, seine Wahrheitsliebe und seine Gerechtigkeit unbestritten. Er liebte seine Heimat, ihre Landschaft und Geschichte. Fleiß, Sorgfalt, Pünktlichkeit und persönliche Bescheidenheit, Verläßlichkeit und Freundestreue waren Grundzüge seines Wesens und Wirkens.

Johann Claus Bielfeldt war geprägt von der liberalen Theologie, für die hier nur die Namen Adolf von Harnack und Otto Baumgarten genannt seien. Beide standen während seiner Studienjahre auf der Höhe ihres Wirkens. Theologische Weiterarbeit galt dem Pastor als wichtige Amtspflicht, die ihm bis in die letzten Lebensjahre besonders am Herzen lag.

In der Gemeindearbeit suchte Bielfeldt bewußt das Gespräch. Nicht zufällig hat er unter seine Veröffentlichungen einen Vortrag Weltbild - Menschenbild - Gottesbild im Atomzeitalter aufgenommen. Der treue Seelsorger war unermüdlich in Hausbesuchen in den weiten Stadt- und Landbezirken seiner Gemeinden, - per Rad; - vor allem alte und kranke Gemeindeglieder konnten seines Geleits und seiner Fürbitte gewiß sein.

Bielfeldt bejahte die soziale Verantwortung der Kirche im diakonischen und gesellschaftspolitischen Bereich, die besonders an der Wende der zwanziger/dreißiger Jahre und nach dem Zweiten Weltkrieg gefordert war. Der Seelsorger wußte um die Notwendigkeit und das Geschenk der mutua consolatio fratrum, die er in der Michaelsbruderschaft gefunden hatte und pflegte.

Der Kirchenkampf in Schleswig-Holstein findet Bielfeldt unter den Männern der ersten Stunde der Bekennenden Kirche, von der Gründung der "Not- und Arbeitsgemeinschaft schleswig-holsteinischer Pastoren" im Oktober 1933 in Rendsburg an. Persönliche Angriffe von selten der Deutschen Christen brachten ihm 1933 bis 1934 zeitweilige Beurlaubung vom Dienst, Versetzung seines Vikars und Hausverbot für diesen ein, deren Durchführung jedoch an der gemeinsamen Weigerung von Vikariatsleiter und Vikar scheiterte.

In jenen ersten unruhigen Tagen bewies der treue und mutige Beistand von Kirchenältesten und Gemeindegliedern, für die hier stellvertretend der Pastoratsnachbar, Tischlermeister Hermann Böhrnsen, später langjähriger Wirtschaftsminister Schleswig-Holsteins, genannt sei, daß der Kampf um Schrift und Bekenntnis weit über die "Notgemeinschaft" der Pastoren hinaus, in der Gemeinde ein waches Echo fand. Bielfeldt, zusammen mit Pastor Volkmar Herntrich und Professor Kurt Dietrich Schmidt (Kiel), in den Führerrat der Notgemeinschaft gewählt, gehörte dann dem aus dem genannten Gremium hervorgegangenen Bruderrat bis zur Synode der Bekennenden Kirche in Bredeneek 1936 an.

Dabei zählte die Begegnung von liberalen und positiven Theologen in einer neuen Bruderschaft für Bielfeldt zu den beglückenden Erfahrungen dieser notvollen Zeit. Ging es ihm einerseits um die Wiederherstellung dessen in der Kirche, "was vor Gott recht ist", so trug er andererseits schwer an der Trennung, die mitten durch die Kirche ging. Er zählte sich eher zu denen, "die die Bekennende Kirche doch mehr als Gruppe in der Kirche" betrachten als "die allein legitime Kirche". Von daher rühren seine verschiedenen Initiativen zur Sammlung und zum Brückenschlag über trennende Gräben hinweg sowie seine Mitwirkung an solchen.

Die schleswig-holsteinische Kirche verdankt Johann Bielfeldt eine erste umfassende Darstellung des Kirchenkampfes in unserem Land, die auf die Anregung und langjährige Verbundenheit des Verfassers mit Professor Schmidt zurückgeht.

Die Erinnerung an Johann Bielfeldt mögen Worte beschließen, mit denen Bischof Halfmann dem scheidenden Propst den Dank der Landeskirche ausgesprochen hat: "... Ganz besonders denke ich an die Zeit des Kirchenkampfes, als Sie als einer der ersten in freier Verantwortung von dem Ordinationsgelübde gegen die zerstörenden Kräfte in der Kirche auftraten und dabei immer die Regel des suaviter in modo innehielten. Ihre lautere Gesinnung, Ihre Versöhnlichkeit, Ihre Offenheit für alle theologischen Fragen und Lebensprobleme hat Ihnen die Liebe vieler Freunde und die Achtung früherer Gegner verschafft ..."

Johannes Schröder

Wolfgang Prehn/ Johannes Diederichsen/ Martin Pörksen (Hrsg.), Zeit den schmalen Weg zu gehen. Zeugen berichten vom Kirchenkampf in Schleswig-Holstein, Kiel 1985, S. 159-161.