Sie sind hier: Biogramme / Hans Treplin
Hans Treplin
Zum 80. Geburtstag am 10. Oktober 1964 hrsg. von Hans Dunker und Hans Gustav Treplin

Aus dem Leben des Verfassers:

Geboren am 10. Oktober 1884 in Hademarschen/Holstein - Ordination 1911 in Kiel - Seemannspastor 1912 bis 1914 in Leith/Schottland - Pastor in Ottensen/Altona 1914 bis 1916 - Pastor in Hademarschen als Nachfolger seines Vaters 1917 bis 1955 - In der NS-Zeit trat er auf Seiten der Bekennenden Kirche mit weit verbreiteten Kampfschriften hervor. - 1947 wurde er Propst der Propstei Rendsburg mit dem Amtssitz in Hademarschen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg rief er zusammen mit Pastor Johannes Tramsen, lnnien, in Gemeinden der Propstei Rendsburg kirch­liche Volkshochschulkurse ins Leben. In seinen letzten Amtsjahren hatte er die Freude, die Gründung der Ev. Luth. Landvolk-Hoch­schule Koppelsberg mit durchsetzen zu können. Damit war für das ganze Land eine Stätte geschaffen, in der Hans Treplin sein Anliegen, das Evangelium für den Menschen im Dorf lebensnah zu verkündigen, aufgenommen sah und verwirklicht wußte. Die­sem Bestreben diente auch das von ihm herausgegebene Gemeindeblatt "Glaube der Heimat", das von der "Reichsschrifttumskammer" verboten wurde. 1945 rief er erneut ein Gemeindeblatt für die Kirchengemeinde Hademarschen ins Leben. Zu seinem 80. Geburtstag wurden aus beiden Blättern in diesem Buch Betrachtungen zusammengestellt, die er geschrieben hat. Sie sind nach dem Ablauf des Kirchenjahres geordnet. Ihnen liegen kleine Begebenheiten aus dem Dorfleben zugrunde. Sie geben dem Verfasser Anlaß zur Besinnung auf die letzten Fragen des Lebens, die im Glauben an Jesus Christus ihre Antwort finden.

Literatur von und über Hans Treplin im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Vgl. dazu auch: Lars Klehn, Hans Treplin - Volksmissionar, Kirchenkämpfer und Nachkriegspropst. Vortrag im Rahmen der Ausstellung "Neue Anfänge nach 1945?", Christkirche Rensburg, 25. Oktober 2016.

Vgl. dazu auch Lea Stotz, Wie haben Pastor Hans Treplin und die Hademarscher Widerstand gegen die Nationalsozialisten geleistet? Beitrag einer Schülerin aus Heide für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, 2016/2017.

Einladung zum Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue für WHG-Preisträger (Foto: Körber-Stiftung/David Ausserhofer)

Wo sich in den letzten Wochen zahlreiche Spitzenpolitiker die schwere Klinke der Schlosstüre in die Hand drückten, wurden Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums vom Bundespräsidenten empfangen. Aufgrund ausgezeichneter Leistungen auf Landes- bzw. Bundesebene beim Geschichtswettbewerb wurden die Schülerin Anna Medrow aus dem 9. Jahrgang, die einen dritten Platz von allen Teilnehmern aus Deutschland erreicht hatte, und Lea Stotz aus dem 11. Jahrgang zusammen mit ihrem Mentor Dr. Volker Gaul durch die Körber-Stiftung nach Berlin eingeladen. Zwei Tage lang trafen sie sich dort mit den besten Geschichtsschülern aus ganz Deutschland, tauschten sich aus und nahmen an einem kulturellen Rahmenprogramm teil. Höhepunkt war zweifelsohne der prunkvolle Festakt im Schloss Bellevue, auf dem der Bundespräsident in Wort und Tat die Leistungen aller Beteiligten würdigte. Im Anschluss nahmen er und seine Frau sich Zeit, mit den Wettbewerbsteilnehmern in ein wertschätzendes Gespräch zu kommen. Insgesamt wird es für die Delegation aus Heide ein unvergessliches Erlebnis bleiben und sie motivieren, bei der nächsten Wettbewerbsausschreibung wieder teilzunehmen.

Hans Treplin (1884-1982)

An seinem 90. Geburtstag sagte der Rendsburger Landrat, er wäre gern bei ihm Vikar gewesen, wenn es in jener ernsten Zeit so fröhlich zugegangen sei. Ich hatte an eine Predigt über Abraham erinnert, der immer vor neuen Entscheidungen stand und sich noch im hohen Alter auf den Weg zum Ziel machte.

Bei den Worten: "... in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden -" hob Hans Treplin die Hände und rief laut über die Gemeinde hin: "Abraham, ich grüße dich!" Einige Gemeindeglieder sahen sich zum Eingang der Kirche um, als ob sie den Erzvater persönlich erwarteten. Mit den Worten von Matthias Claudius, "ein jeder Mensch ein Abraham", sollte einer den anderen zum Wagnis des Glaubens ermuntern.

Die Suspendierung von zwei Altonaer Pastoren, die Absetzung von 70 Mitgliedern des Pfarrer­notbundes schien praktisch das Ende des Widerstandes zu sein. Hans Treplin meinte dazu: "Die Zeit der Ruhe in den Pastoraten ist nun vorbei. Der Glaube muß sich jetzt bewähren." Die Verhaftung Martin Niemöllers erinnerte ihn erneut an Abrahams Weg in die Zukunft: "Ich will dir den Weg zeigen" - spricht der Herr. -

Die neuen Richtlinien für den Religionsunterricht verboten die Geschichte von "Isaaks Opferung", später das ganze Alte Testament. Die Antwort Treplins war: "Die Geschichte braucht man nicht zu verbieten. Gott selbst hat Isaaks Opferung verboten." Dann schilderte er in unnachahmlicher Weise, wie Gott sich 2000 Jahre später das wahre Opferlamm auserwählte: Von oben herab senkte sich im gleichen Bergland Morija das Kreuz Christi als Zeichen der Versöhnung.

Das Auftreten von Hans Treplin in der Öffentlichkeit brachte Zustimmung, Warnung und Angst. Ein Bauer sagte nach der Bibelstunde: "Es ist Zeit, anzufangen, den schmalen Weg zu gehen." Ein anderer: "Herr Paster, laten Se dat ween, wat schall dar blots ut warn." Und ein dritter: "Wat kummt nu up uns to." Es kann so kommen, wie Amos sagt: "... so spricht der Herr: ich werde einen Hunger ins Land schicken nach den Worten des Herrn, daß sie hin- und herlaufen werden, es suchen und doch nicht finden." -

Es kam noch eins dazu. Unsere Entscheidungen gegen den Nationalsozialismus waren zu Anfang nicht eindeutig. In der Sorge, den Einfluß auf die Jugend zu verlieren, ermutigte mich Hans Treplin: "Du mußt sehen, daß du in die Hitlerjugend kommst." Zur Adventsfeier wurde ich eingeladen, die Festansprache zu halten. "Worüber soll ich sprechen?" Er schlug die Epistel vom 1. Advent auf: "... die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So laßt uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts." Von meinem Aufnahmegesuch in die Hitlerjugend habe ich nie wieder etwas gehört.

Zunächst ging alles seinen gewohnten Gang. Die Bibelstunden in den Außendörfern boten ein schönes Bild: auf den vorderen Schulbänken saßen die Konfirmanden und größeren Kinder, dann die jungen Leute, die Männer und Frauen bis zu den Ältesten. Einmal hatte ich auf der Hinfahrt zur Bibelstunde eine Panne. Ich fuhr mit dem Fahrrad in einen Wassergraben. Völlig durchnäßt kam ich beim Lehrer an. Als ich dann im schwarzen Anzug des Lehrers (Größe 1,90 m), mit viel zu langen Hosen und Ärmeln vor die Versammelten trat, haben wir herzlich miteinander gelacht. Elternhaus, Schule und Kirche waren noch eine Einheit, die Dorfgemeinschaft sichtbar.

Jede Kindtaufe auf einem der vom Kirchdorf entfernt gelegenen Bauernhöfe war ein Erlebnis. Treplin liebte die kirchlichen Handlungen auch als Anlaß zum Zusammenkommen der Familie. Aber er sorgte auch dafür, daß beim Familienglück der Taufe die Worte allen durchs Herz gingen: "Jesus hat alle Gewalt, er ist mitten unter uns, handelt heilig am Kind und uns allen." Als wir dann zusammensaßen, stieß er mich an und sah nach draußen: die junge Mutter war mit der Taufschale in der Hand vor die Tür getreten, stand mit dem Rücken zur Hauswand und goß das Wasser der Taufe über das Reetdach. Er sagte nichts, lächelte nur, während die Großmutter den Täufling mit den Worten auf den Schoß nahm: "So min Deern, nu büs Du en richtigen lütten Christ."

Im Konfirmandenunterricht nannte er die Erklärung Martin Luthers zum zweiten Artikel "eines der schönsten deutschen Gedichte". Die Kinder saßen um einen großen ovalen Tisch. Es war nie langweilig. So gab es keine Schwierigkeiten. Die biblischen Geschichten wurden erzählt, als wären sie unter uns geschehen: auf einem deutschen Bauernhof, unter einer alten Eiche, bei den Schafhirten in der Heide, im Hafen eines Fischerdorfes, in der Villa eines Reichen, in der Hütte des Elenden ... Nach Unterrichtsschluß gab er jedem die Hand. Auch spürte er am Händedruck, ob die Kinder ihn verstanden hatten: "Ja, ich war heute gemeint."

Die Leute kamen mit ihren Anliegen zu ihm. Keiner ging ohne ein rechtes Wort oder eine gute Tat von ihm fort. Aber er entließ auch Menschen mit der Frage: "Warum kummst Du garni mehr to Kirch?" "Hans Paster", so nannten sie ihn liebevoll und vertraulich, "wi hebb'n dat nu so schön mit Radio un brück ni mehr to Kark lopen." "Dat is wohl so", antwortere er, "aber dann lot Di man ok dörch Radio beerdigen." Der Mann schwieg, unsicher, ob es das nun auch schon gäbe. "Ne, Hans Paster, dörch Radio will ick nich beerdigt warn!"

Es war am Tag der goldenen Konfirmation. Er kannte sie alle und alle kannten ihn. Sie wußten von dem Weg, der hinter ihm lag: "Wenn es menschlich zugeht, werde ich Euch alle noch beerdigen." Dann, nach einem Augenblick des Schweigens, "aber um den Abend wird es licht sein, helft mir, den Weg des Herrn zu bereiten." Er überlebte sie alle bis in sein 98. Lebensjahr, und es wurde für seine Frau und ihn ein beschwerlicher, aber auch schöner Weg.

Der Ernst und das Heitere lagen oft nebeneinander. An einem Vormittag war die ganze Großfamilie um den sterbenden Altbauern zum Abendmahl beisammen. Hans Treplin sprach nach der Feier einen Augenblick mit dem Kranken über Zeit und Ewigkeit. Der antwortete gelassen: "Herr Paster, dat löppt sick woll all'ns trech!" Die junge Hausfrau kam herein und bat: "Herr Paster, noch een lütt beten Fröhstück?"

Leben und Sterben nahmen in der Gemeinde ihren Lauf, so, als sei nichts geschehen. Aber manches Erleben reifte zur Entscheidung. - Zu seinem 70. Geburtstag schrieb ich Hans Treplin: "Meine Erinnerungen an die Zeit in Hademarschen beginnen mit einem Sonntag, dem 12. November 1933. In den Wahllokalen wurde das 'Ja' zu jenem Volksentscheid gegeben, der das Verhängnis über unser Vaterland gebracht hat. In Deiner Predigt über Hebräer 13,9 riefst Du uns zu einem anderen Volksentscheid auf, der über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entscheidet: Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit."

Ein Jungbauer kam von einem landwirtschaftlichen Schulungskurs zurück. Er berichtete von vielen Reden über Politik und Rasse und sagte: "Up disse Rasseprobleme könt se so liek keen Roggen buen un ers recht keen Religion." Hans Treplin erinnerte uns später an das Wort eines Freundes: "Disse Rassenreligion, dat is wat, wenn wi gesund sind un achtern Glas Beer sitten, aber doch nix vor dat ganze Leben."

Im Bericht über eine Lehrertagung in Kiel hieß es, man würde mit aller Schärfe gegen die Konfessionalisten vorgehen. Entweder, man öffne sich den Gedanken von der Rasse, - oder Gott. In Zukunft werde man nur die Aufrechten und Geraden annehmen. Hans Treplin meinte: "Wie ganz anders dachte Jesus: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid."

Er selbst schrieb im "Monatsgruß" an seine Gemeinde: "Ich habe nichts gegen die Rasse und nehme es in dieser Beziehung noch mit vielen Predigern der neuen Rasseseligkeit auf. Meine Haare, soweit mir das Leben noch welche gelassen hat, sind so blond, wie es sich ein Rasselehrbuch nur wünschen kann. Meine Augen sind blau. Ich habe einen prima Langschädel. Unser Stammbaum führt nach Skandinavien. Aber bei Gott gilt nur die Gnade, die uns schon in der Taufe auf den Namen Jesu Christi gegeben wird. Ihm ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden."

Für die letzten Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres empfahl der Reichsbischof die Predigt von der "heldischen" Haltung. Hans Treplin nahm mich in jenen Tagen mit zur Abendmahlsfeier bei einem an Zungenkrebs Schwererkrankten.

Auf die Rede des Reichsbischofs, Adolf Hitler habe uns gezeigt, was Glauben sei; Theologie und Wissenschaft brauche man nicht für den Aufbau der Kirche; "Jesus hat eine einfache Wahrheit verkündet", antwortete Hans Treplin. "Das ist eben nicht einfach, wenn Menschen in die Buße geführt werden sollen. Der Reichsbischof soll mir mal eine Auslegung über die Seligpreisung geben: Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen."

Es gab Beschwerden über den Pastor und Anzeigen gegen ihn bei den Dienststellen von Partei und Staat. Aber der Amtsvorsteher jener Zeit, ein treuer Freund der Kirche und seines Pastors, verstand es, alle Angriffe abzuwehren. Viele treue Gemeindeglieder und Mitarbeiter standen schützend vor ihm.

Zwei von ihnen begleiteten ihn zum Landesbischof nach Kiel. Sie saßen auf der Holzbank im Flur, während im Amtszimmer verhandelt wurde. "Plötzlich", so erzählte einer der Begleiter, "war drinnen ein solches Gebrüll, dann folgte ein Donnerschlag auf den Tisch." "Nu möt wi rin. He hett den Bischop an de Göttel. As ick de Dör upmak, da stünn Hans Paster vor den Bischop as so'n halben Elias."

Professoren und Politiker, Dichter und Denker erklärten auch in Schleswig-Holstein dem Christentum den Krieg; Männer und Frauen der neuen Glaubensbewegung spotteten über Taufe und Abendmahl. Hans Treplin rief das Land auf, die Stimme Jesu Christi zu hören.

Meine Erinnerungen an die Zeit des Vikariats in Hademarschen (1993/34) will ich mit einem Bild aus dem dortigen Pastorat schließen. Es war eine Stätte fröhlichen Zusammenseins in ernster Zeit. Trauer in Haus und Familie und kindliche Gläubigkeit wandelten sich zu neuem Leben bis zur Stille, zum Miteinander im hohen Alter.

Persönlich sind mir besonders drei Worte im Gedächtnis geblieben. Wenn die große Schar, Familie, Freunde, Verwandte, Helfer und Helferinnen, vom Tisch aufstand, reichten wir uns alle die Hände und sagten: "Up ewig ungedeelt!"

Erich Pörksen

In: Wolfgang Prehn/ Johannes Diederichsen/ Martin Pörksen (Hrsg.), Zeit den schmalen Weg zu gehen. Zeugen berichten vom Kirchenkampf in Schleswig-Holstein, Kiel 1985, S. 175-178. Vgl. dazu auch: Hans Gustav Treplin, Propst Hans Treplin und der Kirchenkampf, in: Rendsburger Jahrbuch 2002, S. 105-118; Karl Ludwig Kohlwage, Manfred Kamper, Jens-Hinrich Pörksen (Hrsg.): "Was vor Gott recht ist". Kirchenkampf und theologische Grundlegung für den Neuanfang der Kirche in Schleswig-Holstein nach 1945. Dokumentation einer Tagung in Breklum 2015. Zusammengestellt und bearbeitet von Rudolf Hinz und Simeon Schildt in Zusammenarbeit mit Peter Godzik, Johannes Jürgensen und Kurt Triebel, Husum: Matthiesen Verlag 2015, S. 180 ff.

 

Nachruf auf Propst Hans Treplin im Mitteilungsblatt der Kirchengemeinde Hademarschen am 25. Februar 1982

"Kirche, baue deine Mauern fest inmitten aller Trümmer und laß deinen Turm hochragen. Das ist der Wille des himmlischen Vaters an dich!" Das war Anfang und Schluß der Predigt, die Pastor Hans Treplin auf der ersten Propsteisynode nach dem Kriege am 25. Juli 1945 in Hohenwestedt hielt. Als 60jähriger gab er damit seiner geliebten Kirche mit ungebrochener Tatkraft und ungebeugtem Mut Aufgabe und Ziel für ein Neubeginn nach dem Zusammenbruch 1945."

Diese Zeilen von Dr. Jensen über eine Dienstreise nach Norddeutschland am 29. Oktober 1945 mögen für viele stehen:

"Zu den erfreulichsten Eindrücken meiner Reise rechne ich den Besuch bei dem Präses des schleswig-holsteinischen Bruderrates, Pastor Hans Treplin in Hademarschen. Nicht nur, weil er in den ganzen letzten Jahren eine ständig wachsende Gemeinde mit Vollmacht versorgt hat, auch nicht nur, weil in seinem Hause die Gastfreiheit in wunderbarer Weise geübt wird (über 25 Personen am Mittagstisch), sondern weil dieser Mann noch heute in seinem Alter von Menschen ungebeugt in prophetischer Macht für die Wahrheit eintritt."

In Vollmacht - wie es in den vorstehenden Zeilen heißt - hat er seiner Gemeinde gedient. In ihr ist er geboren und aufgewachsen. Hierher kam er nach kurzem Wirken in England als Seemannspastor und in Altona zur Unterstützung seines Vaters, der von 1872 bis 1917 im Segen in dieser Gemeinde gewirkt hat. Ab 1. Oktober 1916 als Hilfsprediger tätig, wurde er am 7. April 1918 als Nachfolger seines Vaters in Hademarschen eingeführt.

In schwerer Zeit übernahm er das Pfarramt in der ausgedehnten Landgemeinde, zu dem im Alter ab 1947 auch noch das Propstenamt kam. Aber bald zeigte es sich, daß noch härtere Jahre folgen sollten ...

Scharfe Auseinandersetzungen brachte der Kirchenkampf in der NS-Zeit auch für Hans Treplin, in dessen Verlauf er weit über die Grenzen seiner Gemeinde bekannt wurde als bekenntnistreuer Pastor.

Von Wesselburen kam 1935 ein Verfechter des neuen Glaubens der Deutschen Christen mit einem "artgemäßen" Christentum, in dem auch "Blut und Boden" eine Rolle spielt. In der Gastwirtschaft nahe der Kirche hielt er einen Vortrag, während der Posaunenchor vom Kirchenplatz her "Ein feste Burg" blies. Mit Glockengeläut wurde dann zur Kirche eingeladen, wo Treplin und andere Pastoren vor vollbesetzter Kirche ihre Antwort mit einer klaren biblischen Botschaft gaben.

Für den unverfälschten Glauben setzte Hans Treplin sich auch mit seinen Schriften ein. Durch ganz Deutschland ging die Kampfschrift "Weder Hauer noch die Deutschkirche", die in 100.000 Exemplaren hier in der Druckerei Pohns 1935 gedruckt wurde. Sie beginnt mit dem drastischen Satz "In Kohschiet wüllt se nich patten, awer Melk wüllt se all drinken".

Zu den deutschkirchlichen Richtlinien für die Reform des Religionsunterrichts von Prof. Mandel schreibt er: "Hier ist in die gute, kräftige Milch des biblischen Glaubens schwer Wasser hineingepumpt, das Wasser der rein menschlichen, natürlichen Vernunft. Oh ..., wollt ihr diese Milch von 0,00 Fettgehalt wirklich den Kindern im Religionsunterricht einschenken? Das gibt eine fürchterliche Unterernährung im Glauben, dabei müssen die Kinder seelisch verhungern." Ein prophetisches Wort auch für unsere Kirche heute?!

Er sah die große Gefahr für Kirche, Volk und Vaterland und wurde nicht müde, seiner Gemeinde die biblische Botschaft in Wahrheit zu verkündigen. Dadurch gefährdete er sich selbst. Vor Landrat und Gericht zitiert, hat er sich verantwortet.

Er wußte sich aber auch nicht allein, treue Gemeindeglieder standen hinter ihm und bekannten sich 1935 im Gemeindeblatt offen zum wahren, christlichen Glauben (u.a. Claus Hebbeln, Karl Niemöller, Hans Rathmann). Der Amtsvorsteher Claus Hollm, ein treuer Kirchgänger, hat seine Hand schützend über seinen Pastor gehalten. Welcher Pastor könnte ohne treue Mitstreiter und -beter solch ein Amt in solcher Zeit ausüben?!

Ein Stück Ortsgeschichte und Kirchengeschichte geht mit Propst Treplin zu Ende. Ihm gebührt unser Dank. Noch mehr haben wir Gott zu danken für dieses erfüllte Leben, zu dessen Wirken er seine Vollmacht gegeben hat.

Was ihm Gewißheit des Glaubens war, was er an unzähligen Gräbern verkündet hat, steht nun über der Abschiedsstunde von Hans Treplin: "Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn" (Philipper 1,21).

Karl-Emil Schade, Pastor in Hademarschen